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Unerwarteter Medaillenregen für LG Fichtelgebirge

Bei den bayerischen Hallenmehrkampfmeisterschaften überzeugen die Starter der LG Fichtelgebirge. Emma Wietasch überragte am Ende alle.


Bei den bayerischen Hallenmehrkampfmeisterschaften in Fürth überraschten die fünf Sportler der LG Fichtelgebirge mit drei Medaillen, eine davon in Gold. Für die Titelverteidigerin Alicia Hermer (TG Höchstädt), die Neunte der deutschen Hallenmehrkampfmeisterschaften, hatten die Verantwortlichen der LG Fichtelgebirge eine Medaille einkalkuliert. Doch es sollte viel besser kommen.

 

Den Auftakt machte der Fünfkampf der weiblichen U18. Hier startete Hermer hellwach mit einer Bestzeit über die 60 Meter Hürden. In 9,21 Sekunden lief sie noch einmal vier Hundertstel schneller als in Frankfurt bei den „Deutschen“ und musste sich nur der Mitfavoritin Enea Kujath (Geisenfeld) geschlagen geben.

Im Kugelstoßen war Kujath klar favorisiert, doch auch hier konnte Hermer mit 11,80 Meter eine neue Bestleistung aufstellen, während Kujath mit 12,08 Meter unter ihren Möglichkeiten blieb. Im Hochsprung hingegen lief es anders als erhofft. Hier wollte Kujath ein paar Punkte abnehmen, doch letztendlich überquerten beide mit 1,51 Meter die gleiche Höhe. Der Weitsprung ging erwartungsgemäß an die Geisenfelderin, mit 5,46 zu 5,31 Meter jedoch knapper als gedacht.

Dennoch war bereits vor dem abschließenden 800-Meter-Lauf der Kampf um Gold und Silber entschieden. Da auch die weiteren Sportlerinnen nicht in die Nähe der beiden Führenden kamen, ließ Hermer eine ihrer stärksten Disziplinen locker angehen und kam in 2:48,68 Minuten erst im hinteren Feld ins Ziel. Mit gut 200 Punkten Rückstand auf Kujath, aber ebenso viel Vorsprung auf Theresa Stangl (Gräfelfing) sicherte sie sich damit die Silbermedaille.

Fast zeitgleich fand der Vierkampf der W14 statt. Hier bangte man, ob die LGF mit einer Mannschaft antreten konnte. Dafür sind mindestens drei Teilnehmerinnen desselben Vereins nötig. Jedoch wurden nur die besten 20 Gemeldeten zugelassen. So war die Freude bereits im Vorfeld groß, dass mit Jessica Ortner (SG Marktredwitz) die wichtige dritte im Bunde bei ihren ersten Bayerischen Meisterschaften starten durfte.

Gut eine Woche vor der Meisterschaft erkrankte dann aber Vereinskameradin Sophie-Marie Betz. Glücklicherweise waren am Samstag aber alle startklar. Da in der Mannschaftswertung die 14- und 15-Jährigen gemeinsam gewertet werden, aber alle drei noch dem jüngeren Jahrgang angehörten, rechnete man nicht mit einer Medaille. Alle anderen Mannschaften hatten Ältere im Team.

Für die drei Mädchen begann der Wettkampf ebenfalls mit der Hürdenstrecke. Emma Wietasch (TV Wunsiedel) und Sophie-Marie Betz blieben in 9,78 bzw. 10,56 Sekunden knapp über ihrer bisherigen Bestzeit, während Jessica Ortner in 11,78 Sekunden deutlich schneller lief, als bisher.

Auch im Weitsprung blieben Wietasch mit 4,59 Meter und Betz mit 4,37 Meter knapp unter ihrer Bestleistung. Ortner konnte abermals ihre erst im Januar aufgestellte Bestmarke deutlich steigern und sprang 4,32 Meter. Wietasch lag nun auf Platz vier, die Mannschaft auf Rang fünf. Nun begann LGF-Sportwart Grießhammer zu rechnen: „Mit der Mannschaft könnte noch eine Medaille drin sein. Die zweite Mannschaft von Fürth und Bad Endorf können wir noch einholen.“

Vor dem Kugelstoßen unkte Mutter Julia Wietasch: „ In der Einzelwertung wird Emma aber Vierte bleiben. Sie wird zwar Milina Richter noch überholen, aber Miriam Ertl wird vorbeiziehen.“ Denn die Tochter der ehemaligen Halleneuropameisterin im Fünfkampf, Karin Ertl, hatte eine deutlich bessere Weite stehen und ist auch über 800 Meter nicht schlecht.

Nach dem ersten Durchgang mit der 3-Kilogramm-Kugel sah es noch enttäuschend aus, dann zeigten die Mädchen jedoch, dass sie gut trainiert hatten und verbesserten alle drei ihre Bestleistung deutlich. Ortner überbot mit 6,19 Meter erstmals die Sechsmetermarke. Betz steigerte sich deutlich auf 8,45 Meter. Große Freude herrschte bei Familie Wietasch samt Opa und Trainer Fritz Ruckdeschel über 10,25 Meter, eine Steigerung um 80 Zentimeter! Ertl stellte zwar ihre Bestleistung von 11,37 Meter ein, aber ihr Vorsprung war nun kleiner als befürchtet. Wietasch lag zwar immer noch auf Rang vier, aber mit Tuchfühlung zu den drei vor ihr Platzierten. Zudem stieg die Hoffnung, auch mit der Mannschaft noch eine Medaille zu holen. Fürth war nahezu eingeholt, Bad Endorf nicht mehr weit weg.

Vor dem abschließenden 800-Meter-Lauf wurde für jede der drei ein Marschplan ausgetüftelt und die Betreuer in allen vier Ecken der Halle verteilt, um die Mannschaft bestmöglich durch die vier Hallenrunden zu bringen. Ortner begann als erste sehr zügig, lief die vier Runden wie ein Uhrwerk immer ein bisschen schneller als von Trainerin Mühlhöfer vorgegeben. Mit 2:54,16 blieb sie deutlich unter den erhofften drei Minuten und verbesserte das vierte Mal an diesem Tag ihre bisherige Bestleistung deutlich. Dieses Mal sogar um starke 14 Sekunden.

Im abschließenden Lauf der bislang besten Acht traten Wietasch und Betz an. Das Rennen begann verhalten. Betz merkte man an, dass sie ihren Infekt noch nicht restlos überstanden hatte. Die Vorgabe von drei Minuten erfüllte sie zwar mit 3:00,28 Minuten. Dennoch rutschte sie in der Endabrechnung noch auf Rang neun ab. Wietasch hingegen setzte sich ab der dritten Runde mehr und mehr vom übrigen Feld ab. In 2:49,95 Minuten blieb sie zwar deutlich über ihrer Bestzeit, die drei vor ihr Platzierten, blieben jedoch alle über drei Minuten.

Als kurz nach dem Zieleinlauf die Zeiten ausgewertet waren, hallte ein Jubelsturm der Familie Wietasch durch die Halle. Die Wunsiedlerin hatte sich nicht nur eine Medaille geholt, sondern sogar mit fünf Punkten Vorsprung vor Klara Schlemmer (Bad Endorf) und 13 Punkte vor Ertl den Sieg errungen. Als unmittelbar danach auch noch die Mannschaftswertung bekannt gegeben wurde, gab es jedoch enttäuschte Gesichter. Es fehlten nur 27 Punkte zur Medaille – oder umgerechnet fünf Sekunden.

Tags darauf trat dann Andreas Gesell (TV Weißenstadt) in der M14 an. Auch bei ihm gab es nicht ganz unberechtigte Hoffnung auf eine Medaille. Es sollte der spannendste Wettkampf des Wochenendes werden. Auch sein Vierkampf begann mit dem Hürdenlauf, Gesells Zitterdisziplin. Durchkommen ohne Strauchler war deshalb die Devise, zumal die Hürden nun deutlich höher sind als noch letztes Jahr. In 10,39 Sekunden lief er jedoch schneller als 2024 über die niedrigeren Hindernisse. Ein guter Einstand – und jetzt schon Platz drei hinter Theo Kottmann (München) und Luis Busch (Wiesau).

In seiner Lieblingsdisziplin Kugelstoßen wollte er wieder an seine Weite bei den bayerischen Einzelmeisterschaften anknüpfen und 12 Meter erzielen. Mit 11,39 Meter war er deshalb nicht zufrieden, stieß aber dennoch fast zwei Meter besser als alle seine Konkurrenten und schob sich damit auf Rang zwei nach vorne. Im Weitsprung gab es eine neue Bestleistung für den Weißenstädter: 4,89 Meter. Busch blieb trotz Bestleistung von 4,74 Meter hinter Gesell. Kottmann war hier der Favorit, doch rangierte er mit 4,88 Meter sogar hinter Gesell.

Plötzlich schien für den Weißenstädter sogar Gold möglich. Im abschließenden 1000-Meter-Lauf musste er dazu zwei Sekunden Vorsprung auf Busch herausholen und durfte nur zwei Sekunden auf Kottmann verlieren. Ein spannendes Finale war sicher. Gesell übernahm schnell die Initiative und führte das Feld nach 50 Meter bereits an. Am Ende der vierten von fünf Runden hatte er genau die fehlenden zwei Sekunden auf Busch herausgelaufen, Kottmann lag hinter ihm. Doch dann zog Busch einen fulminanten Endspurt an und Kottmann zog mit. Gesell versuchte dagegenzuhalten. Auf der Zielgeraden überholte Kottmann die beiden. Gesell war Zweiter und Busch Dritter. Ratlose Gesichter bei allen Betreuern, Eltern, Zuschauern, während die drei Jungs völlig erschöpft auf der Bahn lagen.

Mit Spannung wartete man auf das Endergebnis. Die drei hatten zwar eine Medaille sicher, aber keiner wusste, wer gewonnen hatte. Dann kam das Ergebnis: Busch lag acht Punkte vor Gesell und der sieben Punkte vor Kottmann. Die Enttäuschung über das verlorene Gold war schnell verflogen und der Stolz über Silber auf dem Siegerpodest unübersehbar. Alle drei erhielten von den Zuschauern stehenden Applaus ob dieses spannenden Finales.

Frankenpost 05.03.2025